Früher... – so fangen ja viele ihre Sätze an. Dann geht
es oft um die angeblich gute alte Zeit und warum frü-
her fast alles besser war. Unlängst habe ich aber einen
anderen Satz gehört. Der fängt zwar auch mit „Frü-
her“ an, wird dann aber ganz tiefsinnig. Früher, sagt
die alte Dame zu mir, früher musste mein Körper das
tun, was ich wollte. Heute muss ich das tun, was mein
Körper will. Das hat sie schön gesagt. Ganz ohne
Jammer und Klage. Es ist jetzt einfach anders. Es geht
eben nicht alles weiter wie immer.
Damit muss man zu Recht kommen. Es bleibt nichts,
wie es ist, auch die  Gesundheit nicht. Darüber könnte
man lange jammern und klagen. Oder man nimmt es
an. Ich glaube sogar, es wird leichter, wenn man es
annimmt. Dass der Körper nicht mehr so will wie frü-
her, ist bestimmt nicht schön. Aber zu ändern ist es
eben auch nicht. Früher konnte ich meinem Körper
sozusagen befehlen, was er zu tun hat. Heute geht das
nicht mehr. Heute befiehlt mir mein Körper, was ich
zu tun habe. Und ich muss mich beugen, muss ihm
gehorchen.
Da hilft kein Jammern und kein Klagen. Aber etwas
anderes hilft. Wer seine Schwäche annimmt, wird et-
was stärker. Das hat schon der Apostel Paulus ge-
wusst. Er war klein, wenig schön und war lange Jahre
krank. Viele vermuten, dass Paulus Epileptiker war.
Früher gab es keine Medizin gegen diese Krankheit.
Paulus musste einfach seinem Körper gehorchen. Das
tut er auch. Und siehe da, eines Tages schreibt er an
Menschen, die auch ihre liebe Not haben mit Krank-
heit und Schwäche:
„Ich bin auch schwach wie ihr“, schreibt Paulus,
„aber ich bleibe doch guten Mutes. Denn wenn ich
schwach bin, bin ich stark.“ (2. Korinther 12, 10).
Das klingt wie ein Widerspruch. Ist aber gar keiner,
glaube ich. Stärker werden die, die sich ihre Schwä-
chen eingestehen. Versuchen Sie’s doch einfach mal,
jeden Tag ein bisschen.
Andreas Mattke